Aquarell von dem Maler Peter Krüger

 

Eine ziemlich dunkle Welt mir Kriegsgeheutl umgibt des Mai,  diesen wunderbaren Mittler zwischen Frühling und Sommer. Die Menschheit bedroht sich, einige ihrer Vertreter hauen so auf die Pauke, dass den Blüten des menschlichen Geistes und dem Willens zum Frieden manchmal die Luft ausghet. Anders als das Blütenmeer des Mai weicht die Hoffnung auf das Tempo kleinster Schritte zurück.
Aber wie der Monat Mai mit seinem Aufbruch dürfen wir uns nicht entmutigen lassen! Auf meiner Reise durch den Iran habe ich in den letzten Wochen nicht nur die blühenden Gärten aus 1001 Nacht gesehen, vieles andere habe ich blühen sehen, von dem ich nicht wusste.  Ein Gedicht aus dem 9./10 Jhrd von Rudaki habe ich mitgebracht. Es duftet nach Rosen wie so vieles in diesem fernen Land:

Die Lehre des Lebens

Das Leben gab mir freimütig einen Rat,
das ganze Leben besteht ja aus Lehren.

Beneide den nicht, der es besser als du hat.
Es gibt viele, die sich nach dem, was du hast, sehnen

x

Der Monat April- erscheint in diesem Jahr als Mai. Ich kann gar nicht so schnell schauen, wie die Bäume ausschlagen, die Blüten ihre Meere zeigen und die Amsel jede Antenne nutzt, um ihr wunderbares Lied zu schmettern. Schöpfung pur und Trost in schwieriger Zeit. Ich werfe all den Menschen, die auf der Flucht und in Not sind und diesen Frühling nicht sehen und riechen können, rote Tulpen und gelbe Narzissen zu.

Nicht müde werden sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten. ( Hiled Domin )

x

Der Monat März ist für mich der Monat der kleinen Blumen, die nicht
über den Winter klagen, sondern ihn überwinden. Das Schneeglöckchen ist
für mich ein Symbol für das, was zu tun wichtig ist: überall, wo es geht,
den gefrorenen Boden zwischen uns Menschen und die Eiszeiten durchbrechen, weiße Friedensfarbe
bekennen, bimmeln oder im Autocorso "hupen", wenn wie jetzt gerade Anfang März 2017 in der Türkei und
anderswo  mutige Journalisten eingesperrt werden, weil sie dafür sorgen, dass wir uns eine freie
Meinung bilden und sie auch äußern können.

Und das sind all die Name, die das Schneeglöckchen auch heißen kann:
Aprilstern, Bummelglöckchen, Fasteloowesgäcke, Fastnachtsglöckchen, Fastnachtsgäste, Fastnachtsnarren, Frostglöckchen, Frühaufsteher, Frühlingsglöckchen, Frühlingsglöckle, Hornungsglöckchen (Hornung = Frühling), Kalchesblume, Lenzglöckchen, Lichtmess-Glöckchen, Lichtmess-Glocke,
Märzbläum`m, Märzblümchen, Märzenglöckle, Märzenzähnchen, Märzglöckchen, Märzglöckle, Märzveilchen, Märzviole, Nackte Jungfrau, Nakende Jüffer, Naseweischen, Nickende Wifke, Osterblume, Osterglöckel, Sankt Dorothee Lilje, Sankt Valentinslilje, Schneeblitzer, Schnee-Durchstecher, Schneeblümlein, Schneedöppchen, Schneefalke, Schneefeigerl (Niederösterreich), Schneeflocke, Schneefozzle, Schneeglocke, Schneeglöcklein, Schneegrall, Schneegrulle, Schneegucker, Schneehocker, Schneekaterl (Salzburgisch), Schneekieker, Schneetulpe, Schneeglöckla (Schlesien), Schneaklokka (Kärnten), Schneeglöckle (Schwäbische Alb), Schneeglöggli (Schweiz), Schneetröpfer, (Österreich), Schneetröpfli, Schneeviole, Sneeflocke, Snefklösken, (Westfalen), Sneiklöckelken, (Hannover), Vastenovendklokjes, Vastenovendgastjes, Vastenovendgekjes, Vorwitzchen, Weiße Jungfrau, Winterglöckchen, Wintertörichte

x

Manche nennen den Monat Februar einen Durchhaltemonat. Der Winter ist noch da und lässt sich nicht vertreiben. Manchmal singt die Amsel schon den Frühling an. Ich suche im Augenblick immer nach Nachrichten, die den politischen Winter vertreiben, und eine davon war die:Bukarest/Rumänien: Bei den größten Massenprotesten in Rumänien seit 1989 gegen die nach der Parlamentswahl 2016 gebildete Regierung unter Ministerpräsident Sorin Grindeanu (PSD) und den verkündeten Erlass bei dem Hunderten wegen Amtsmissbrauchs angeklagten Amtsträgern Straffreiheit gewährt wird, nehmen über 150.000 Menschen teil. Am 3. Februar steigt die Zahl der Demonstranten auf bis zu 250.000 Menschen an.
Und gestern kam die Nachricht, dass die Regierung den Erlass zurückgenommen hat. Die Menschen haben mit ihrer berechtigten Wut wärmendes Feuer gemacht und wieder eine Blume des Widerstands zum blühen gebracht, egal in welcher Jahreszeit. Und viele junge Menschen waren dabei, Frauen mit ihren kleinen Kindern. Wie im Washington und anderswo in diesen Tagen weltweit. Die brauchen wir in diesen politischen Eiszeiten.

Wer hofft
ist jung 

Wer könnte atmen
ohne Hoffnung
dass auch in Zukunft
Rosen sich öffnen
ein Liebeswort
die Angst überlebt

(Rose Ausländer)

x

Der  Januar, der Anfang eines Jahres  ist ein Monat, der einen dicken Sack mit Wünschen auf dem Rücken hat. Wünsche für ein
ganzes Jahr. Gesundheit, Glück, Frieden- und wie sie alle heißen.  Wenn der Monat schreiben könnte,
würde er sicher zurückschreiben: Danke, ich helfe, aber das meiste müsst ihr Wünscher selbst bewerkstelligen.
Ich glaube, dass wir alle zusammen und jeder für sich in diesem Jahr vielleicht mehr als in anderen Jahren
Gesicht zeigen muss, Stellung beziehen, schenken, was  andere brauchen, denken lernen, was bisher undenkbar schien, sich selbst
und anderen Mut machen und wissen, dass wir viel dazu beitragen können, dass zumindest unsere nahe Umwelt menschlich bleibt
und menschlicher wird.  Das menschliche Leben ist so fragil und verletzbar- es baucht jeden von uns!


Das Leben ist flüchtig, wie der hingetupft an den Gräsern hängende Tau, dessen kristallene Tropfen von der ersten Morgenbrise
davongetzragen werden.

(Dilgo Khyentse Rinpoche)

x

Der Dezember ist der Monat, der gefühlt immer schneller kommt als die anderen. Erwartungen des Jahres, die wir nicht erfültt haben, mischen sich mit
den Erwartungen, die sich mit Weihnachten und der Zeit davor verbinden: Ruhe, Einkehr, Stille und all das, was seltener im Leben geworden ist.
Manche aber hoffen auch auf mehr Zuwendung, auf Jubel, auf eine Überraschung.  " Warten" ist eigentlich eine schöne Haltung- geduldig sein, hoffen
dürfen, für eine Überraschung sorgen. Ich finde den kleinen Text, den fast jeder kennt, immer noch sehr schön:

Advent, Advent,
ein Lichtlein brennt. 
Erst ein, dann zwei, 
dann drei, dann vier, 
dann steht das Christkind vor der Tür.

x

Der goldene Oktober " hat sich mit unglaublich schönen Spätsommertagen langsam in unsere Herzen geschoben. Viele Bäume veränderten durch die Trockenheit in einem gefühlt nassen Sommer bereits ihre Farben, manche trudelten früh zu Boden. Nun erwartet uns die Farbenpracht des " indian summer"- dort wo Bäume sind und sich zu Wäldern zusammengeschlossen haben! Es glänzt im Licht wie reines Gold und wärmt mich bis auf die Zelle. Und gleichzeitig sehe ich, wie meine neuen Freunde aus Syrien das erste Mal staunend vor dieser Farbentracht stehen und ohne Angst mit ihren Kindern im Park spazieren gehen. Und wenn ich dann, ihre Fluchtgeschichten hörend, die Bilder aus Aleppo sehe, dann legt sich ein schwarzer Schleier vor meine Augen und ich heule mit den Menschen, die vieleicht noch nie einen goldenen Herbst erlebt haben und erleben werden.  Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr"--  Rilkes Gedicht trifft meine gemischten Gefühle zum goldenen Oktober 2016


Herbsttag
Herr es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke
1875 – 1926

x

Der September hatte früher interessante Hinweise in seinem Namen:Holzing, Holzmond, Herbstmonat, Erster Herbstmond, Scheiding, Scheidung, Engelmonat. Im Augenblick mischt er den später Sommer auf. Es blüht noch, aber die Blätter fallen längst. Die Spinnen weben die ersten Netze. Die Abendstimmung hat den Herbst im Gepäck. Das Licht trägt das Geheimnis des Übergangs. Und ich denke an den Reichtum, den der September beschert und auch daran, was wir schaffen können, wenn wir teilen, was uns selbst geschenkt wird und leben lässt. 

Auf jeden Fall:
Äpfel, Birnen,
Brombeeren, Kirschen,
Mirabellen, Pflaumen,
Renekloden, Zwetschgen Blattspinat, Blumenkohl,
Brechbohnen, Brokkoli,
Buschbohnen, Champignons,
Chinakohl, Eisbergsalat,
Endiviensalat, Feldsalat,
Fenchel, Friseesalat, Knollensellerie,
Kohlrabi, Kürbis, Lauch, Mangold,
Möhren, Rote Bete, Rotkohl,
Salatgurken, Stangenbohnen,
Stangensellerie, Tomaten, Weißkohl,
Zucchini, Zuckermais, Zwiebeln, Wirsing

x

Die Blume des Monats August ist die Sonnenblume. Als Sonnenauge ist sie gerade in meinem Vorgarten aufgegangen und immer wieder wundere ich mich, wie sehr die Sonnenblume dem Himmelskörper ähnelt, der uns mit jenem Licht versorgt, ohne das wir nicht leben könnten. Auch die Blume wendet sich dem Sonnenlicht zu und folgt dem Weg der sonne von Ost nach west, um abends wieder auf ihre nach Osten gerichtete Position zurückzukehren. Gelb, Orange und Rot sind die Farben dieser wunderbaren Blume und nach der Befruchtung ergibt jede Blüte einen Sonnenblumenkern. Die Sonnenblume besitzt die Fähigkeit, gefährliches Gift aus dem Boden zu ziehen! Könnte sie doch das Gift aus den Hasslandschaften ziehen, mit denen die Menschen gerade wieder die Welt und unser Zusammenleben tödlich bedrohen!
Immerhin: jeder von uns könnte eine Sonnenblume ähneln, das wäre ein erster Schritt!

Der Sonnengesang  des Franziskus von Assisi ist für mich ein Gesang , der die " Religionen" überschreitet, ein Lob der Schöpfung , das bei der Suche nach Frieden die Seele unterstützen kann

Der Sonnengesang des Franziskus von Assisi

Sonnengesang von Bruder Laurentius Englisch. Wandgemälde im Speisesaal des Franziskus Gymnasiums in Vossenack (Ausschnitt)  

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.

Aus: Franziskus-Quellen, Butzon und Bercker 2009

x

Der Juli ist rot. Rote Rosen, rote Kirschen, rote Erdbeeren, rote Johannesbeeren, viele rote Kleider, rote erhitzte Gesichter.
Manche auf und vor  den öffentlichen Fußballbühen müssten vor Scham rot werden, aber sie schlagen sich blutig.  das
Rot von Hass und Gewalt kann das Rot der Freude nicht löschen- hoffe ich weiter.

x

Der Juni ist so voller Blüten, Blättern, Gräsern, drängt sich mit Spargel und Erdbeeren zu Tische, dass die Augen
in diesem Meer fast ertrinken. Und mit allen Wassern gewaschen ist er auch! Die Bäche nehmen sich das Recht, zu
reißenden Flüssen zu werden und bringen die Menschen in Not. Mitten in der Fülle der Natur verlieren sie alles, was
sie haben. Die Bilder überstürzen sich und mittendrin herrscht Abschied.

Abschied ist
ein intimer Moment.
Es braucht Zeit.
Es kann länger dauern

Der Abschied von Rupert Neudeck, dem Gründer der Cap Anamur, dem " romantischen Revolutiionär", dem
Gleichaltrigen, der mir immer Vorbild war. der nie wieder feige sein wollte, wird mich lange bewegen. Seine
Stimme fehlt. Nein, es gibt nicht weniger Flüchtlinge, die zu uns kommen. Sie schwimmen uns als Tote an
den vermauerten Grenzen Europas entgegen. Wer fühlt, was er sieht, tut was er kann- das war Rupert Neudeck für mich

x

Der Mai ist gekommen. Aber wie! Unaufhaltsam hat er die Landschaft übefallen. Überall Farbe ausgeschüttet.
Vor allem Grün in allen Variationen. Und dann dieses Gelb, das jede Seele in Sonne taucht. Schön ordentlich,
Felder wie Kästen, Wälder in Streifen, dazwischen die klaren Wege. Kaum zum aushalten, so schön. Der Weißdorn an
den Rändern nicht zu vergessen. Ein Tag auf dem Fahrrad durch diese Landschaft, und man ist betrunken und
berauscht.Keine Droge kann den Rausch der Natur wirklich ersetzen! Aber mehr noch: der Mai ist gekommen,
weil er ein Bote jener Wunder ist, die immer wieder geschehen- so wie Hilde Domin es beschreibt:

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

x

Ich mag den April. Er ist wild. Er taucht ganze Landschaften in Gelb. Mimosenbäume werfen für einen Augenblick alles Dunkel aus der Seelenkammer.
Ein Topf mit Narzissen blüht nun schon seit Wochen, als gäbe es keine Vergänglichkeit. Und dann die Amsel.  Ihr Lied irgendwo auf einem Dach ruft die
aufmerksame Wächterin in mir wach. Frech wie sie ist erinnert sie mich an das italienisches Rennhuhn von Luigi Malerba:

Ein Rennhuhn begab sich auf die Piste  von Monza, um am Start der Formel Eins teilzuhnehmen. Als es die Autos mit zweihundert Stundenkilometern vorbeiflitzen sah, zog es sich gekränkt zurück. " Kunststück" rief es. " Die haben ja Räder!"

x

Was blüht im März? Draußen regnet es mit weißen Schneetupfen, es ist grau, es ist kalt. So beginnt der Monat März 2016.  Das ist die eine Seite des Monats. Es kommt aber immer anders, wenn man denkt. Dieser Monat hat einen Malkasten im Gepäck, den er jetzt Schritt für Schritt nutzt und Gärten und Wiesen anmalt, was das Zeug hält. Und zwar mit folgenden Blumen. Auf geht`s : Blumen suchen, die man nicht pflücken sollte! 

  • Blausterne (Scilla): z.B. Schöner Blaustern (Scilla amoena), Zweiblättriger Blaustern (Scilla bifolia)
  • Buschwindröschen (Anemone nemorosa): weisse Blütenblätter
  • Duftveilchen (Viola odorata): auch Märzveilchen, violette Blüten
  • Gänseblümchen (Bellis perennis): umgangssprachlich auch Osterblumen, weisse Blütenblätter
  • Huflattich (Tussilago farfara): Heilpflanze der Jahres 1994, gelbe Blüten
  • Garten-Hyazinthen (Hyacinthus orientalis): über 100 Sorten (blaue, gelbe, orange, rosa, rote, violette, weisse Blüten)
  • Frühlings-Knotenblume (Leucojum vernum): auch Märzenbecher/Märzbecher, Großes Schneeglöckchen mit weissen gelb-gefleckten Blüten
  • Krokus (Crocus): überwiegend gelbe, lila, violette und weiße frühlingsblühende Blumen
  • Gewöhnliche Kuhschelle/Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris, Syn.: Anemone pulsatilla): lila oder purpurne Blütenblätter mit gelben Staubblättern, Blume des Jahres 1996
  • Leberblümchen (Hepatica nobilis, Syn. Anemone hepatica): lila oder purpurne Blütenblätter, Wurzeln bis zu 30 cm tief, Blume des Jahres 2013
  • Gelbe Narzissen (Narcissus pseudonarcissus): auch Osterglocken, Blume des Jahres 1981
  • Netzblatt-Schwertlilie (Iris reticulata): auch Netzblatt-Iris, Zwerg-Iris, blaue bis violette Blüten
  • Schneeglanz (Chionodoxa): auch Schneestolz, Sternhyazinthe, weiße oder blaue Frühlingsblume
  • Strahlenanemone (Anemone blanda): auch Balkan-Windröschen, blaue, blass-violette, rosa oder weiße Blüten
  • Tulpen (Tulipa): mit starken Pflanzengiftstoffen, viele Blüten-Farben

x

Der Monat Februar hieß in alten Zeiten auch " Narrenmond".  Wie schön, wenn man an das bunte Narrentreiben in Venedig, Basel, auch im Rheinland und besonders auch an den poetischen Sambakarneval in Bremen denkt. Wie erdrückend und beängstigend dagegen, was sich gegenwärtig als ein ganz anderes, gefährliches  Narrentreiben in diesem Land abspielt. Hassgesänge und Volksreden vor johlendem Publikum machen mir Angst. Die eine verlangt einem Schießbefehl an deutschen Grenzen und die kleinen Cowboys und Indianer im Straßenkarneval sollen ihre Spielzeugpistolen zu Hause lassen? Sind wir denn wirklich wahnsinnig geworden? Wilhelm Busch beruhigt ein wenig.

Der Narr

Er war nicht unbegabt. Die Geisteskräfte
Genügten für die laufenden Geschäfte.
Nur hatt’ er die Marotte,
Er sei der Papst. Dies sagt’ er oft und gern,
Für jedermann zum Ärgernis und Spotte,
Bis sie zuletzt ins Narrenhaus ihn sperrn.
Ein guter Freund, der ihn daselbst besuchte,
Fand ihn höchst aufgeregt. Er fluchte:
»Zum Kuckuck, das ist doch zu dumm.
Ich soll ein Narr sein und weiß nicht warum.«
»Ja«, sprach der Freund, »so sind die Leute.
Man hat an einem Papst genug.
Du bist der zweite.
Das eben kann man nicht vertragen.
Hör zu, ich will dir mal was sagen:
Wer schweigt, ist klug.«
Der Narr verstummt, als ob er überlege.
Der gute Freund ging leise seiner Wege.
Und schau, nach vierzehn Tagen grade,
Da traf er ihn schon auf der Promenade.
»Ei«, rief der Freund, »wo kommst du her?
Bist du denn jetzt der Papst nicht mehr?«
»Freund«, sprach der Narr und lächelt schlau,
»Du scheinst zur Neugier sehr geneigt.
Das, was wir sind, weiß ich genau.
Wir alle haben unsern Sparren,
Doch sagen tun es nur die Narren.
Der Weise schweigt.«

Wilhelm Busch

x

Manchmal tut mir der Januar leid! Schon in den ersten Sekunden, dann  24 Stunden lang und länger fliegen  ihm Wünsche über Wünsche um die Ohren. Es kracht und böllert, blitzt und donnert! Die Korken knallen. Friede und Freude mit und ohne Eierkuchen, Gesundheit bis zum Abwinken,  Erfolge für das ganze Jahr soll er lostreten, diese arme Monat. Ich glaube,dass Janus, der römische Gott, der dem Monat Januar seinen Namen gab, mehr als zwei Gesichter hatte. Ob der Januar noch immer sein Gesicht als kältester Monat unserer Region wahren kann, bleibt offen.  Mich hat der Frühling im Dezember irritiert. Ich dachte schon, der Winter sei für immer vorüber. Ein altes Jahr ist gegangen, ein neues hat begonnen. Wen haben wir hinter uns begraben? Welche Abschiede, welche Versäumnisse, welches Glück sind  im Gepäck? Wer flüchtet weiter auf der Balkanroute? Im Libanon blühen nicht die Veilchen, sondern Schnee bedeckt die Zelte derer, die Schutz und Wärme brauchen. Was will, muss, soll und darf  beginnen? Jeder Jahreswechsel ist ein Übungsfeld für den Anfängergeist in uns! Rose Ausländer gibt mir Worte, die mein altes Jahr mit dem neuen verknüpfen und ich aufhebe, was ich nicht verlieren will.

Was vorüber ist
ist nicht vorüber
Es wächst weiter
in deinen Zellen
ein Baum aus Tränen
oder
vergangenem Glück

x

In diesem Jahr fürchte ich das Wetter im Dezember. Stürme und Kälte würde unseren Flüchlingen in den Zelten da<s ohne schwierige Leben noch schwerer machen. Und dennoch passt der Weihnachtsmonatso sehr in das, was wir erleben: ein Obdach suchte auch die heilige Familie und die Sehnsucht nach Licht und Wärme, nach Liebe und Zuwendung und  nach einem guten Stern am unendlichen Himmel, der der Welt Orientierung gibt, ist geblieben. In Kästners Text finde ich viele meiner Gefühle wieder:

Der Dezember
Das Jahr ward alt,
hat dünne Haar.
Ist gar nicht mehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn.
Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond, noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nütz nichts, dass man`s versteht.
Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und sprichtL:
" Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht."

x

Der Oktober hat den Anfang des  November in unglaubliche Farben getaucht, atemlos schön. Und wissend, dass es jetzt dunkler wird, die Nebel
immer mehr das Gelb, Rot und Braun der Blätter mit einem Grau überziehen, habe ich die Bilder tief in mir versenkt, damit sie meine Seele weiter nähren.
Und dieses Jahr fürchte  ich Anfang November immer mehr, dass wir den vielen Flüchtlingen an unseren Grenzen und in unseren Städten nicht bereitstellen  werden, was sie so dringend brauchen. Aber veilleicht hat jeder von uns die Einladung für einen Kaffee in seiner Wohnung in der Tasche, für ein paar  Genuss-Stunden in unserenBadezimmern, für  einen Bummel über einen Weihnachtsmarkt, eine Autofahrt zum Arzt. Diese vielen Tropfen auf die heißen Steine machen einen Unterschied,auch wenn wir alle nicht wissen, wie die Gesamtlösung dieses Jahrhundertproblems aussehen kann. Im Kalender von Erich Kästner steht zu diesem Monat:

Der November

Das Jahr ward alt.
Hat dünne Haar.
Ist gar nicht mehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn.
Ward viel versäumt.
Ruhrt beides unterm Schnee.
Weiß liegt die  Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn, hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man`s versteht.
Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
" Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht."

x

Dieses Jahr ist der Monat Oktober für mich der  Apfelmonat, komme da an Terminen was da wolle. Es wird Apfelmus gekocht, nach meiner Art!
Viel Zimt, Rosinen, brauner Zucker, wenn nötig. Und wenn alles fertig ist, dann stelle ich einen Strauße mit Astern und fetter Henne daneben und freue mich über meinen besten Vortrag des Monats. . Und Kästners Kalendertext begleitet mich:

Der Oktober
Fröstelnd geht die Zeit spazieren. Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren. Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.
Geh nur weiter. Bleib nicht stehen. Kehr nicht um, als sei`s zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen. Hadre nicht mit den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?
Geh nicht wie mit fremden Füßen, und als hätt`st du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen? Lass den Herbst nicht dafür büßen,
dass er Winter werden wird.
An den Wegen, in den Wiesen, leucteh, wie auf grünen Fliesen.
Bäume bunt und blumenschön.
SAind`s Bukettes für sanfte Riesen? Geh nur weiter. Bleib nicht stehn!
Blätter tanzen sterbensheiter ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter. Bleib nicht stehen. Geh nur weiter.
Denn das Jahr ist dein Gesetz.
Nebel zaubern in der Lichtung eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rauch und Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung. Stirb und Werde! nannte er`s

x

Der September ist der Monat des Erntereichtums, des Herbstanfangs und der Tag des offenen Denkmals, eine jährlich im Herbst wiederkehrende Tagesveranstaltung in Deutschland, deren Ziel darin besteht, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren. In diesem Jahr 2015 möchte ich all die Ankunftsorte der Flüchtlinge, die Aufnahmelager, die Unterkünfte, die Demonstrationen für und gegen die Solidarität mit den Flüchtlingen und vor allem all die Projekte, in denen Menschen in diesem Land sich der Verantwortung für das  Erbe der Kultur der Menschenwürde, der Demokratie, der Solidarität, der Empathie und der Mitverantwortung bewusst sind, dass wir die Tür öffnen und die Hand reichen müssen, offene Denkmäler nennen. Für manche dieser "Denkmäler" schäme ich mich, aber es muss uns gelingen, die Auseinandersetzung zu führen und mutig für das einzutreten, was wir als Liebe und Mitgefühl in unserem Herzen haben.
Etwas zögernd lasse ich nicht ab, weiter den Kalender von Erich Kästner zu zitieren. Und jeder Frau, jedem Mann, jedem Kind nach der Flucht wünsche ich, dass sie irgendwann in ihrem Leben noch einmal einen Herbst so genießen können, wie wir es in der Regel tun!

Der September
Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrüne.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen  glühn.
Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehen die braunen
und bunten Herden in den Stall.
Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen,
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.
Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.
Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karusells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.

x

Der Juli ist ein Monat der Fülle. Die Rosen in meinem Garten erschöpfen sich mit ihren Blüten. Erdbeeren überall. Meine Katze Sternchen wandert von Sonnenplatz  zu Sonnenplatz. Dieser Juli ist auch ein schwarzer Monat. Die Menschen in Griechenland leiden. Die Flüchtlinge wissen nicht wohin und suchen nach einem Platz zum Leben. Tunesien erlebt wie viele andere Länder der arabischen Welt Terror und Gewalt. Könnte ich doch mehr von unserer Fülle in den Mangel  bringen. Und so kommt mir der Text zum Juli von Erich Kästner wie die Beschreibung einer Wirklichkeit vor, die sich immer wieder als Illusion erweist.

Erich Kästner

Der Juli

Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.
Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.
Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die künftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.
Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.
Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und sinken die Lerchen.
Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht, durch den Schluß
des Gedichts,
wie in alten Zeiten gen Süden.

x

Der Juni

Die Zeit geht mit der Zeit. Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.
Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.
Aus Gras wird Heut. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.
Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
und, weils zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.
Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ist`s bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.
Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.
Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.
Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein frommer,
ob`s Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.

( Erich Kästner, Kalender)

x

In diesem Jahr ist der Mai wie immer gekommen, aber er hatte neben dem Bluetenmeer das andere Meer im Gepäck, das so viele  Menschen im Mittelmeer verschlungen hat! Das wäre vermeidbar gewesen. In Nepal verschwanden die Menschen im Beben der Erde! Das kann der Mensch nicht verhindern. Wir werfen im Gedenken Blüten!
Und bleibt der Trost:

Der Mai
Im Galarock des eiterten Verschwenders,
Ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders, Aus seiner Kutsche grüßend, über Land.
Es überbrüht sich, er braucht Nürburgring winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blauweißen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hintendrein.
Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten, das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.
Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehen den Hut.Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwele.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!
Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.
Er nickt uns zu und ruft:" Ich komm ja wieder"!
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

( Erich Kästner, Kalender )

x

Dass nur der April  macht, was er will, gehört schon lange zu den Wettermärchen. Aber in diesem Jahr hat er gleich zu Anfang Stürme übers Land geschickt, die sich gewaschen haben. Von dem schnellen Wechsel der Wolken und Winde, des Sonnenscheins und des Regens hat aber die Wissenschaft am meisten über das Verhältnis von Chaos und Ordnung, von Unvorhersagbarkeit und Überraschung lernen können, die allem Lebendigen zugrundeliegt.

Kalender von Erich Kästner

Der April
Der Regen klimpert mit einem Finger
die grüne Ostermelodie.
Das Jahr wird älter und täglich jünger.
O Widerspruch von Harmonie!
Der Mond in seiner goldenen Jacke
versteckt sich hinter dem Wolken- Store.
Der Ärmste hat links eine dicke Backe
und kommt sich ein bischen lächerlich vor.
Auch diesmal ist es dem März geglückt:
er hat ihn in den April geschickt.
Und schon hoppeln die Hasen, mit Pinseln und Tuben
und schnuppernden Nasen,
aus Höhlen und Gruben durch Gärten und Straßen
und über den Rasen in Ställe und Stuben.
Dort legen sie Eier, als ob`s gar nichts wäre,
aus Nougat, Krokant und Marzipan.
Der Tapferste legt eine Bonbonniere.
Er blickt dabei entschlossen ins Leere.
Bonbonnieren sind leichter gesagt als getan.
Dann geht es an Malen. Das dauert Stunden.
Dann werden noch seidene Schleifen gebunden.
Und Verstecke gesucht. Und Verstecke gefunden:
hinterm Ofen, unterm Sofa, in der Wanduhr, am Gang,
hinterm Schuppen, unterm Birnbaum, in der Standuhr, auf dem Schrank.
Da kräht der Hahn den Morgen an!
Schwupp sind die Hasen verschwunden.
Ein Giebelfenster erglänzt im Gemäuer.
Am Gartentor lehnt und gähnt ein Mann.
Über die Hänge läuft grünes Feuer.
Er spürt nicht Wunder, noch Abenteuer,
weil er sich nicht mehr wundern kann.
Liegt nicht dort ein kleiner Pinsel im Grase?
Auch das konmt dem Manne nicht seltsam vor.
Er merkt gar nicht, dass ihn ein Osterhase
auf dem Heimweg verlor.

x

Der Monat März ist nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt, denn ursprünglich versammelten sich in diesem Monat, mit dem die Feldzugssaison begann, die waffenfähigen römischen Bürger auf dem so genannten Marsfeld (oder Märzfeld) vor den Toren der Stadt, um gemustert zu werden und sich ihren Feldherren  unterzuordnen Irgendwie aber reicht der Monat März  für die vielen Kriegsversammlungen nicht aus und jeden Monat, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute versammeln sich die modernen Feldherren und ballern durch die Gegend. Das Schneeglöckchen bimmelt für den Frieden und nur wenige hören es!
Ich zitiere weiter aus dem Kalender von Erich Kästner:

Der März
Sonne lag krank im Bett.
Sitzt nun am Ofen.
Liest, was gewesen ist.
Springflut und Havarie.
Sturm und Lawinen,-
gibt es denn niemals Ruh
drunten bei ihnen?
Schaut den Kalender an.
Steht drauf: " Es werde!"
Greift nach dem Opernglas.
Blickt auf die Erde.
Schnee vom vergangenen Jahr
blieb nicht der gleiche.
Liegt wie ein Bettbezug
klein auf der Bleiche.
Winter macht Inventur.
Will sich verändern.
Schrieb auf ein Angebot
aus anderen Ländern.
Mustert im Fortgehn noch
Weiden und Erlen.
Kätzchen blühm silbergrau.
Schimmern wie Perlen.
In Baum und Krume regt
sich`s allenthalben.
Radio meldet schon
Störche und Schwalben.
Schneeglöckchen ahnen nun,
was sie bedeuten.
Wenn du die Augen schließt
hörst du sie läuten

x

Der Februar ist für mich ein Übergangsmonat. Seine Zwischenstellung zwischen dem Winter hinter sich und dem beginnenden Frühling im März vor sich erinnert mich immer an den Rhythmus von Krisen, die sich nach dem Tal, das sie hinter sich haben und dem Licht, das irgendwann mal wieder erscheint, eine Art Pause nehmen, um zu verschnaufen, zu verstehen, nach Antworten zu suchen. Eindringlich hat Kästner den Karneval als so eine Zwischenzeit im Monat Februar beschrieben.

Der Februar
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falschen Scham.
In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.
Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzt wie Narren,
um zu scheinen, was wir sind.
Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?
Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verlässt den Saal.
Pünktlich legt sie in die Truhe
Sorgenkleid und Einerlei,
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins. Die Zeit.
(Kalender von Erich Kästner)

x

Der Januar ist eigentlich ein stiller Monat, gehört doch noch zum Winterschlaf. Aber gleichzeitig ist er eine Art
Träger des " Schweinhundordens". Er soll jetzt vom Sofa runter und alle unerledigten Dinge, die vielen Selbstversprechungen
aus der Sylvesternacht, die unendlichen Wünsche in Bewegung bringen. Ich habe ihm auch was ins Gepäck geschoben!
Jeden Tag ein wenig mit meinem Hund spazieren gehen- meinem Schweinehund. Mal sehen, wie lange der Hund mitmacht.


Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.
Die Amseln frieren. Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.
Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.
Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man`s auf allen Sendern,
dass sich auch unterm Himmel manches ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunterttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt`s vom Kriege?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.
(Kalender von Erich Kästner)

x

"Der kleine König Dezember" ist ein Buch von Axel Hacke, das ich liebe. Der kleine Kerl ist nicht größer als ein Zeigefinger und seine Welt ist so anders als die unsere, dass es sehr lustig wäre, die Weihnachtsgeschichte von ihm auf seine Weise erzählt zu bekommen. Anders als erwartet eben. Der Monat Dezember erstickt fast an den Erwartungen, die viele Menschen an ihn stellen, aber ohne das Geheimnis des Wartens wäre der Monat halb so schön. Ich finde Nikolausstiefel wunderbar. Eine Freundin hat mir 24 Päckchen geschnürt, die auf meiner Treppe Stufe für Stufe darauf warten, geöffnet zu werden. Heute war es Duschgel. Gestern zwei rote Teelichter. Was wohl morgen drin ist? Sich wie ein Schneekönig freuen, das ist die Stimmung, die ich am Dezember mag!

x

Dieser Erledigungsplan für den Monat Novemberhat mich derart erheitert, das ich ihn weitergeben will - falls jemand im grauen Nebel unterzugehen droht und nicht weiß, was zu tun ist : Herbstdeko entsorgen. Plätzchen backen!Weihnachts- und Silvestereinladungen planen. Ist das Geschirr, das du brauchst, sauber? Hast du genug Teller und Besteck?Eventuell Weihnachtstischtücher und Servietten durchsehen und Bügeln.Falls du Weihnachten dein Silberbesteck benutzen willst, solltest du es jetzt durchsehen und eventuell putzen. Einfache Möglichkeit: Einen großen Kochtopf mit Alufolie auslegen, Wasser hineingeben, eine Handvoll Salz hinzu, das Besteck hineinlegen. Nun das Wasser auf dem Herd bis zum Siedepunkt erhitzen. Dann kannst du das Silber einfach abwaschen. Fertig!Vorräte checken, schon an Weihnachten denken. Nicht Verderbliches schon Anfang des Monats einkaufen. Weihnachtsdekoraktionen noch einmal überdenken und prüfen. Funktionieren die Lichterketten? (Siehe auch unsere Weihnachtsseiten), eventuell Blätter, Zweige usw. im Wald sammeln, bevor das Wetter zu schlecht wird.Gegen Ende des Monats: Weihnachtsdekorationen anbringen.Adressen (EMail und Schneckenpost!) überprüfen. Mit der Weihnachtspost anfangen!

Wenn die Bäume im November kahl werden, zieht mich ihre Nacktheit in den Bann:
Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt. Wir fällen sie und verwandeln sie in Papier, um unsere Leere darauf auszudrücken.
Khalil Gibran, Sämtliche Werke

x

Vor meinem Arbeitszimmr zaubert der Oktober einen wunderbaren Blätteregen. Immer wenn ich aufschaue, trudelt gerade ein neues Blatt  zu Boden und ich finde diesen Tanz am Ende des Lebens eines Blattes sehr tröstlich. Das Gedicht von Erich Kästner  erzählt die Gechichten dazu

Der Oktober

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.

Geh nur weiter. Bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als sei's zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen.
Hadre nicht mit den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?

Geh nicht wie mit fremden Füßen,
und als hätt'st du dich verirrt.
Willst Du nicht die Rosen grüßen?
Laß den Herbst nicht dafür büßen,
dass es Winter werden wird.

An den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume, bunt und blumenschön.
Sind's Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter, bleib nicht stehn.

Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge langsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter.
Denn das Jahr ist dein Gesetz.

Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rauch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
"Stirb und werde!" nannte er's.                        
x

September ist die Tagundnachtgleiche – die Sonne steht genau über dem Äquator und geht an diesem Tag genau im Osten auf und genau im Westen unter. (Wikipedia)
Wenigsten etwas Genaues, das zuverlässig erscheint in diesen Zeiten, in denen das Gefühl verloren geht, dass irgendetwas bleibt und  Osten und Westen sich wenigstens den Auf- und Untergang der Sonne friedlich teilen. Ich freue mich auf die Äpfel, die lila Astern und das bunte Laub an meiner Hauswand, das schon zu meinem Fenster hineinschaut. Manchmal weiß ich in diesen kriegerischen Septembertagen 2014 nicht so richtig weiter. Dann trösten mich beim Schreiben die an Demenz erkrankten Menschen, weil ich mich gerade auch so fühle

Frau Z. wird gefragt, was sie essen möchte. Offensichtlich ist sie mit dieser Frage überfordert. Sie sieht auf den Teller der Nachbarin und sagt: " Dasselbe wie sie!

Frau H. wird gebeten, sich schon einmal Milch und Zucker- sie nimmt normalerweise immer beides- in den Kaffee zu tun. Da sie offensichtlich nicht weiß, wie sie das bewerkstellingen soll, sagt sie: " Ach heute ist mir eher nach Tee
( Udo Baer)

x

Dass der Monat August auch den Namen Ernte- und Ährenmonat trägt, konnte ich bei meiner Reise durch Polen zu den Orten meiner Kindheit im Krieg tief empfinden. Bis zum Horizont Felder mit dem Gold von Mutter Erde, dass die Menschen nährt und die Wunden des Weltkrieges ein wenig heilt. Für mich kaum auszuhalten ist im gleichen August die Saat von Hass und Gewalt, die die Bilder der leidenden Menschen in den Kriegen in Gaza, der Ukraine, in Syrien und anderswo in mir auslösen. Gegen die Hilflosigkeit und dass mir das Lachen nicht ganz vergeht, erzähle ich mir eine Hühntergeschichte:

Ein nachdenkliches Huhn setzte sich in einen Winkel des Hühnterstalls und kratzte sich am Kopf. Durch das viele Kratzen wurde es schließlich kahl. Da kam eines Tages ein anderes Huhn und fragte es , was ihm solche Sorgen bereite, " Meine Kahlheit", antwortete das nachdenkliche Huhn.

x

Eine alte Bedeutung für den Monat Juli , nämlich der Bären- oder Honigmonat kommt mir in diesem Jahr sehr nah, weil ich ganz in der Nähe der Eisbären war und auch dort in Grönland blühen auf den Felsen und in den Moosen wuderbare kleine Blumen. Aber Früchte gibt es nicht. Zurück In Bremen habe ich mich auf die Früchte des Juli gestürzt: Blaubeeren, Johannis- und Stachelbeeren, Kirschen, Erbeeren und die ersten heimischen Äpfel.
Und so klingt es, wenn diese Köstlichkeiten wissenschaftlich erfasst werden:

Als Beere gilt in der Botanik eine aus einem einzigen Fruchtknoten hervorgegangene Schließfrucht, bei der die komplette Fruchtwand auch noch bei der Reife saftig oder mindestens fleischig ist.  (Wikipedia)

x

Der Juni 2014 wird für mich ein ganz besonderer Monat werden. Mitten im Sommer begebe ich mich auf eine lang ersehnte Reise nach Grönland, in eine Natur, die mitten im Eis blüht und grünt. Ich verlasse meinen üppigen Rosengarten und freue mich auf das "arktische Weidenröschen", auf die rundblättrige Glockenblume, auf den Rauschbeerenbusch mit seinen süßen Beeren, auf den Krähenbeerenbusch und die dazugehörigen grönländischen Desserts. Während ich gerade an meinem neuen Buch schreibe, für kurze Zeit aus meinem Alltag heraustrete,  beschäftigt mich eine Frage, die viel mit dieser Reise in die große Einsamkeit zu tun hat:

Die Aufgabe des Menschen ist deshalb so schwierig, weil er mitten im Leben steht und sich doch gleichzeitig über den Alltag
erheben sollte. ( Gertrud von le Fort, Schriftstellerin)

x

Der April hat dem Mai die Schau gestohlen. Die Bäume haben schon ausgeschlagen. Und manches, was der Mai  an blühenden Geheimnissen mitbringen wollte, verblüht vereits. Dennoch bleibt der Mai ein Wonnemonat, der über Blumen, Obstbäume,  blühende Buschwindröschen, Löwenzahn, silbrige Pusteblumen, Entenfamilien, die Sternmiere am Wegesrand, den Wasserfrosch in einem Löschteich, die gelben Rapsfelder, den Ginster und vor allem den Amseln am frühen Morgen zeigt, was sich die Schöpfung dabei gedacht hat als sie mit dem Urknall das Leuchtfeuer des Frühlings erfand.

Auch der Pfahl hofft bei des Frühlings Rückkehr, daß er grünen werde.
(Aus Finnland )
Die Bäume fahren im Frühling aus der Haut ( Wilhelm Busch)

x

Dieser April  scheint es in sich zu haben. Auf  überzeugende Weise macht er nicht einfach , was er will, sondern erst mal das, was wir uns wünschen. Einfach hingegeben an die Sonne, an den Amselgesang am frühen Morgen, an vollblütige gelbe Büsche in der Landschaft, an Weißdornbüsche, an Obstblüten und diese vielen kleinen bunten Blumen in den Vorgärten.

Das Frühlingslied von Eduard Mörike geht mir seit Tagen als Ohrwurm durch den Kopf!

Frühling läßt sein blaues Band

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab´ ich vernommen!

x

Irgendwie ist der März in diesem Jahr ohne seinen Vorläufer, den Winter, fast über Nacht gekommen. Mit aller Kraft übernahmen Schneeglöckchen, Krokusse und vor allem die Amsel mit ihrem Morgengesang  die Regie für den Frühling. Vieles fängt an, die freudige Erwartung auf das, was kommt, wächst, wenngleich die kriegerischen Szenen in unserer östlichen Nachbarschaft zeigen, wie wenig selbstverständlich und fraglich das menschlichen Zusammenleben ist. Seit Tagen summt das alte Kinderlied in mir:

Im Märzen der Bauer
die Rößlein einspannt
Er setzt seine Felder
und Wiesen in Stand.
Er pflüget den Boden
er egget und sät
und rührt seine Hände
früh morgens und spät

x

Der Februar hat es irgendwie in sich. Der alte deutsche Name Hornung verweist auf den Rothirsch, der in diesem Monat sein "Gehörn" abwirft und auf neues Geweih aus ist. Manchmal hieß der Febraur auch Schmelzmond, die Gärtner sprachen vom Taumond. Das Wort " Reinigung" ist auch im Spiel und die Bezeichnung Narrenmond verweist auf die Zeit der Vorfrühlings- und Fruchtbarkeitsrituale, mit denen die Dämonen des Winters vertrieben werden. Bis Aschermittwoch soll gefeiert werden, dann ist die Narrenzeit angeblich vorbei.
Der erste Schnee und das zarte Grün des scheuen Schneeglöckchens traten in meinem Garten dieses Jahr zeitgleich auf.  Beide mag ich, lieber Februar! Die Reise durch das Jahr geht weiter und hier ein Wegweiser

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für ein paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank.
Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.
Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.
Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis...
( Mascha Kaleko)

x

Der Januar ist eine Art Monat des Beginnens. Das neue Jahr macht sich ans Älterwerden. Gute Vorsätze aus den letzten Tagen
des alten Jahres drängen auf den Anfang ihrer Umsetzung. Das Lachen, das Weinen, die Geduld, die Hoffnung,
die Liebe zum Leben, vieles will wieder beginnen. Neue Wege scheinen möglich. Es gibt Augenblicke, in denen das Wetter
fast schon den Beginn des Frühlings. Vielleicht fliegen die Gänse gar nicht mehr gen Süden, sondern beginnen in den
Wümmewiesen rund um Bremen schon mit der Rückkehr. Aller Anfang ist vielleicht schwer, aber ohne ihn kann nichts
in Bewegung kommen. Dazu zwei Botschaften von Meistern des tibetischen Buddhismus:

Man unternimmt keine Reise in den Himalaya, ohne sich der Dienste eines Führers zu versichern, welcher der
weltlichen Pfade sicher ist.  ( Jack Kornfield))

Das Leben ist flüchtig, wie der hingetupft an den Gräsern hängende Tau, dessen kristallene Tropfen von der ersten
Morgenbrise davongetragen werden ( Dilgo Khyentse Rinpoche)

x

2013

Der Dezember ist auch für viele meiner Freunde zu einem „Kitschmonat“ geworden.
Überall bimmelt es, Lichter noch und noch, Glühwein macht die Nasen rot, in den Vorgärten grasen Elche, unverwüstliche Tannenbäume aus Plastik sollen davon künden, dass es bald so weit ist. Nun ja, das kann man finden wie man will. Mich heimeln vor allem die Lichter an den Häusern jenseits der Landstraßen an, wenn ich nach einem Vortrag nach Hause fahre. Über manchen beleuchteten Gartenzwerg kann ich wirklich lachen. Aber auch: Advent meint so etwas wie innere Ankunft. Einfach  warten. Lichterglanz und Sterne erzählen vom Traum einer anderen Welt, erzählen von Ereignissen, die für Liebe und Hoffnung stehen, vom Mut, die Türen weit aufzumachen und den Fremden einzulassen. Zwei Gedichte haben es mir angetan. Das eine zum „ Warten“ und das andere zum „ Nikolaus“.

Warten
Eine Gefängniszelle ist ein ganz guter Vergleich
für die Situation des Advent: Man wartet
und hofft und tut dieses oder jenes; aber die Tür ist
verschlossen und kann nur von außen geöffnet werden
(Dietrich Bonhoeffer)

Zum Nikolaus:

Eigentlich
könnte es uns egal sein
dass einst der Bischof
einer hungernden Hafenstadt
kinder mit essen versorgte
aber es ist die erinnerung an
ängste und träume
schiffe und sehnsucht
beten und wunder
die uns diese geschichte
gerade im advent
nächtens und liebevoll
vor die tür und
in die schuhe schiebt.
( Hinrich C.G. Westphal)

x

Der November leitet die dunkle Jahreszeit ein, heißt es. Viele, vor allem ältere Menschen fürchten diese Zeit,
in der die Feiertage an die erinnern, die nicht mehr unter uns sind, in der wir nachdenklich werden, weil sich das
Jahr schon wieder dem Ende zuneigt und das Wetter meistens die Lust, draußen zu sein, mindert. Aber wir müssen
nicht auf die Adventszeit warten, um am Nachmittag eine Kerze anzuzünden, Tee zu trinken, uns den Innenräumen zuzuwenden.
Das Wissen, dass zu viele Menschen auf der Straße liegen oder dass in Hamburg sich Bürger dafür schämen, dass wir jungen
Flüchtlingen aus Afrika nur einen kalten Boden in einer Kirche anbieten ( aber wenigstens das!) , macht uns aufmerksam
auf das Glück, in diesere Jahreszeit einen behüteten Platz zu haben.


Heimat ist da, wo wir verstehen und verstanden werden. ( Karl Jaspers)
Wer die Ärmsten dieser Welt gesehen hat, fühlt sich reich genug, zu helfen ( Albert Schweitzer)

x

Wenn man im Oktober aus New York und umzu zurückkommt, dann weiß man, dass dieser
Monat dem Kürbis gehört. Auf den Märkten in der Stadt und den Farmhouses glänzen und lachen diese
orangenen Kugeln und viele Menschen gehen Äpfel pflücken. Inzwischen finde ich die Erntedank-Fahnen
nicht mehr kitschig und hänge mir auch eine in meinen Herbstgarten. Gut, dass es zur Zeit diese
strahlenden Kürbisse in USA gibt, auch wenn sie nicht darüber hinwegtäuschen, wie zynisch die
Republikaner im Rahmen der Haushaltspolitik mit den zunehmden Armen des Landes umgehen.
Meine Wut war so dick wie ein großer Kürbis und eine Kürbisschlacht vor dem Repräsentantenhaus
hätte mir gefallen.  Ich hoffe, uns allen fällt bald etwas ein, was wir gegen die globale Armut und die
vor unserer Tür tun können!


Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben? Wo ist das Wissen, das in der Information abhanden kam?
( T.S. Eliot)
 

x

Der September leitet den Lebensabend des Jahres ein. Es geht ans Eingemachte. Marmeladengläser bekommen
bunte Tücher um den Kopf. Die Astern vertreiben die Rosen. Ein unglaublicher Sommer  liegt hinter uns.
Wenn ich vergleichend in die Welt schaue, ergreift mich tiefe Dankbarkeit und Demut über so viel Liebe der Schöpfung, die uns
zuteil wird und ich hoffe, dass nicht nur in Syrien, aber dort besonders, die Menschen irgendwann mal wieder einen
blauen Himmel sehen können, aus dem keine Bomben und kein Gift regnen.


Drück
einen Stein an dein Herz
und küss einen Tropfen Wasser

Sing
den Blumen ein Lied vor
und umarm den einsamen Baum
auf dem Feld

Schau
einem Hund in die Augen
und adoptiere
ein verlassenes Tier

Geh Hand in Hand
mit deinem Nachbarn
und folge
deinem eigenen Schatten

( zur universalen Geschwisterlichkeit, angelehnt an den Sonnengesang des Franz von Assisi )

x

Der August bringt in vielerlei Hinsicht reiche  Ernte. Die Märkte quellen über: Sattheit und Überfluss.
Und viele können sich beides nicht leisten,   Der Juli hat nach dem vielen Regen
auf die Hitzepauke gehauen u. gibt die Hitze jetzt an den August weiter. Und schon gibt es die Warnungen.
"Ist’s in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter lange weiß". Schade, dass wir dieSommerhitze nicht für
den langen Winter speichern und an die verschenken können, die den Strom kaum noch bezahlen können.


Ihr, die euren Wanst und unsre Bravheit liebt
Das eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und wie ihr's immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muss es möglich sein auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.
(Bertolt Brecht)

x

Der Juli kommt als Monat der Rosen daher. Wohin man schaut, leuchten sie in rot, weiß und gelb und
all den Zwischentönen. Sie klettern an Wänden hoch, ranken über Torbögen, überwuchern die Töpfe, in die
man sie gepflanzt hat. Läuse und Parasiten können ihrer Schönheit nichts anhaben und ich kann verstehen,
warum die kleinen Lebewesen unter den Blättern wohnen wollen. Ich gehe jeden Tag durch meinen kleinen
Stadtgarten, der wie eine Einladung vor sich hinträumt und ich weiß, bald ist diese Farbenpracht vorbei


Komm meinen Gartenpfad entlang, Geliebte. Vorbei an den Blumen, die mit Duft und Farben dich heiß umwerben.
Geh vorüber und mache halt, wo dir eine Freude aufleuchtet, schön wie die plötzlichen Wunder des Abendhimmels
und flüchtig wie sie. Denn die Gabe der Liebe ist schüchtern, sie nennt nicht ihren Namen,sie huscht schnell durch das
Dunkel und wirft einen Schimmer von Freude auf den Staub. Wenn du sie nicht einholst, ist sie dir auf immer
verloren. Aber eine Gabe, die sich fassen lässt, ist nur eine vergängliche Blume oder ein flackerndes Lampenlicht.
(Rabindranath Tagore)

x

Der Juni hat einen Mai im Nacken, der ihm die Fülle, die man von ihm erwartet, und den Sommeranfang
nicht leicht macht. Der Spargel, die Erdbeeren, die Rosen tun sich schwer und der Himmel
heult sich die Augen aus dem Kopf  und überflutet Straßen, Wiesen und Dörfer.  Meine Katze Sternchen
wehrt sich und sucht ständig nach einem Platz im Haus, an dem ihr die Sonne mit wenigen Strahlen ins
Fell scheinen kann.  Sie holt sich, was sie braucht und übersieht den großen Regen.


Wenn ihr eure Augen nicht gebraucht, werdet ihr sie brauchen, um zu weinen ( Jean Paul Sartre)

x

Der Mai ist jener Monat, den wir besonders willkommen heißen. Nicht nur die Bäume schlagen aus. Um uns herum ist alles im Werden. Wer durch
die Lande geht, fährt , schleicht oder hüpft, spürt dieses unendliche Bewegung, die Leben heißt. Blätter, Blüten, die Amsel und die gerade geborene
kleine Giraffe im Zoo sind voller Neugier, wie es weitergehen mag.


Diese Geste der Blumen,die sich aus der Erde strecken, wie verwandt ist sie mit unserem morgendlichen Räkeln, mit dem krummen Buckel des Pudels, wenn er vom Lager aufsteht und sich streckt: universelle Momente der Lebendigkeit, genereller Code, ein erwachender Körper zu sein.
(Andreas Weber, Minima Animalia, ein Stundenbuch der Natur, think Oya Verlag 2012)

x

Der Monat April macht was er will, sagt der Volksmund, ohne zu erklären, was daran eigentlich das Besondere ist. Welcher Monat macht das nicht?  Der Winter  hat sich schließlich  mit seiner langen Dunkelheit und Kälte auch nicht an unsere Erwartungen gehalten. Eine andere Aprilregel der Bauern droht:" Hört Waltraut nicht den Kuckuck schrein, dann muss er wohl erfroren sein". Ohne Kuckucksruf  wurde in meinem ehemaligen Dorf der Schinken nicht angeschnitten. Und dann heißt es auch: "Aprilschnee ist besser als Schafmist". Was wohl das Schneeglöckchen davon hält? Und die Kirschblüten, der Spargel und die Erdbeeren? Könnten die mit dem Mist besser auskommen?. Der Trost in all diesen Unwägbarkeiten:

Der wichtigste Moment ist immer der Augenblick  ( Untertitel des Films "Seelenvögel" von Thomas Riedelsheimer)

x

Der  März hat viele Bauernregeln im Gepäck. Und die meisten dieser Sprüche sind Vorhersagen, was dem Sommer, dem Herbst
und dem ganzen Wetterjahr passiert, wenn es regnet, noch einmal schneit, wenn das Schneeglöckchen keine Luft bekommt, wenn also
der März so ist, wie er ist: unberechenbar zwar, aber mit dem Auftrag, den Frühling einzuleiten. Ein Übergangsmonat wie er im Buche steht.
Die aktuellen Nachrichten sagen, dass der letzte Winter noch nie so lang, so dunkel, so ohne Sonne war. Welche Rolle hat das in unserem
Leben gespielt? Welche Rollen spielen Frühling, Sommer, Herbst und Winter in unserem Leben? In welche Stimmungen haben sie uns versetzt?
Und sind wir jetzt bereit, irgendetwas in unserem Leben zum Blühen zu bringen? Lieber Schneeglöckchen oder Kätzchen? Lieber Primel, Narzisse
oder Tulpe?


Unser Bewusstsein enthält all diese Rollen und viele andere, den Helden, den Liebhaber, den Eremiten und den Diktator, die weise Frau und den Narren
( Jack Kornfield)

x

Der Februar hat weniger Tage zur Verfügung als die anderen Monate. Er rüttelt uns mit Karneval und Geisterverteibung, mit Schnee, Regen, Sturm, mit Kälte und manchmal auch   mit mit wäremeren Termperaturen in das neue Jahr. Als Monat des Übergangs ist der Februar eine Brücke zwischen Winter und   Frühjahr. Er soll Schluss mit dem Winter machen und die nächste Jahreszeit ahnen lassen . Wie das Leben ist auch das Jahr offen und  öffnet sich in dem Maße, wie wir selbst offen und neugierig bleiben für das was unbekannterweise kommt. Immer ist Anfang und immer ist auch  Ende in Sicht. Wir brauchen Anfängergeist und den Geist des Aufhörens, damit vieles möglich wird.

Zur Morgenstunde liegt der Tag wie eine Verheißung da (unbekannter Mönch)

x

Der erste Tag im Januar hat den Abschied vom alten Jahr noch im Gepäck und schaut nach vorne in das nächste Jahr. Er will nicht an all die Versprechen erinnert werden, sondern zeigen, dass das Leben uns Menschen immer abverlangt, Anfaenger zu sein. Kein Tag wie der vorherige, kein Atemzug wie der letzte, keine Liebe wie eine andere, aber alles bleibt auf irgendeine Weise erhalten, wird nicht gelöscht.  Der Monat der Steinböcke und Steinziegen liegt mir am Herzen! Brechen wir also auf:

Und es kam der Tag,
dass das Risiko,
in der Knospe zu verharren,
schmerzlicher wurde
als das Risiko
zu blühen
( Anais Nin)

x

2012

Selten habe ich einen Herbst erlebt, der dem Dezember so zärtlich die Hand gereicht hat. Immer noch hängen
vereinzelte Birkenblätter in leuchtenden Farben an den Ästen und können sich nicht verabschieden, so als wollten sie
neben den Lichterketten zum Tannenbaumschmuck werden. Der letzte Monat verabschiedet das ganze Jahr in mir und
ich fühle mich von diesem Jahr samt seinen Schatten beschenkt. Eine Weihnachtszeit, die für viele nicht froh sein wird,
aber nicht davon ablässt, mit uns die Wärme und Freude anzumahnen, die in ihr steckt- das ist mein Wunsch an die,
die hier immer wieder lesen.


Man gewinnt die Liebe nicht ohne ein großes Danke im Herzen ( Arnaud Desjardins)

x

Der November kündet von einer anderen Zeit. Die Stimmen der Menschen und der Natur klingen leiser, am Himmel ziehen Kraniche und andere Vögel
in die Ferne. In mir mischt sich das Gefühl, mitzufliegen oder mich ins Innere des Hauses zurückzuziehen, um Heimat zu spüren. Die stille Trauer um Timm, dersich sein Leben nahm, bewegt mein Herz wie das Fallen der Blätter, die das Jahr verabschieden. Ein Gedicht von Hans Magnus Enzensberger erfühlt die Erinnerungslandschaften, die der November-Herbst in mir erzeugt. Die Mutter, der Vater, der Sohn,  die Schwester die Freundin, die Fremden irgendwo da draußen: sie sind noch da, wenn sie gegangen sind


Der Geist des Vaters

An manchen Abenden sitzt er noch da,
wie früher, leicht gebückt,
summend am Tisch
unter der eisernen Lampe.
Die Tuschfeder schürft
über das Millimeterpapier.
Ruhig zieht sie, unbeirrt,
ihre schwarze Spur.
Manchmal hört er mir zu,
den schneeweißen Kopf geneigt,
lächelt abwesend, zeichnet weiter
an seinem wunderbaren Plan,
den ich nicht begreifen kann,
den er niemals vollenden wird.
Ich höre ihn  summen

Hans Magnus Enzensberger

x

Es gibt keinen Monat, der mich mehr an "Mutter Erde"  und ihren spezifischen Reichtum erinnert, als der Oktober.
Kürbisse, Bohnen, rote Beete, Äpfel, Kartoffeln Spitzkohl, Weintrauben, Dahlien, fette Henne, Astern, Sonnenblumen und
darüber oft gewaltige  Wolkenhimmel im Sonnenlicht- ein großes Fest der Sinne, ein Farbenrausch, die mich auf die Märkte und zu den
Schrebergärten Bremens lockt- zu einem Erntedank, der nicht verstehen will, warum so viele Menschen an diesem
Reichtum nicht teilhaben können.


Mir ist jetzt nur um die sinnlichen Eindrücke zu tun, die kein Buch, kein Bild gibt ( Goethe)

x

Der  September ist für mich ein Monat der Mitte, der Fülle, der Einkehr. der Meditation. Er trennt den aufstrebenden Frühling und aufgeregten Sommer von der erntesatten Herbst und dem stillen Winter, zeigt was aus der Saat geworden ist, lenkt den Blick auf das Leben im Innen der Häuser. Abschiede und Aufbrüche greifen ineinander. Überall werden Kinder eingeschult und wir wünschen ihnen, dass die Saat aufgeht, die dem jeweils erhofften Leben dient. Ernten werden in leuchtenden Farben gefeiert, der zärtliche Altweibersommer, Almabtrieb, Laternenfeste.Amerika und  Europa brauchen einen kreativen Herbst, der arabische Frühling muss weiter auf Ernte hoffen.

Aus der Konzentration wird Weisheit geboren. Meditation beginnt mit einer Beruhigung des Geistes und der Sammlung der Aufmerk- samkeit. Über die Empfindung von Frieden und Ruhe hinaus wird der Zustand der Konzentration ebenfalls zur Grundlage für die Vertiefung von Einsicht und Weisheit. Wir erleben, wie wir uns ebenso für das Leid der Welt öffnen wie für die Schönheit ( Joseph Goldstein)

x

Der August ist ein Monat der Fülle und der Ernte, noch einmal Sommer und die Menschen
genießen ihren Urlaub- zu Hause oder in der Welt. Aber in dieser Welt um uns herum gibt es
zu viele Menschen, die um die Früchte ihrer Arbeit, um ihre Ernten, um die Bebauung ihrer
Äcker, um ihre Ersparnisse betrogen werden. Die weltweiten Protestbewegungen der jungen

Menschen, das Engagement vieler Einzelkämpfer  oder auch der  Dalai Lama sprechen mir aus dem Herzen. 



Die sieben Todsünden der modernen Gesellschaft

Reichtum ohne Arbeit
Genuss ohne Gewissen
Wissen ohne Charakter
Geschäft ohne Moral
Wissenschaft ohne Menschlichkeit
Religion ohne Opfer
Politik ohne Prinzipien

(Aus: Clemens Ludwig, Dalai Lama, becksche Reihe 2012)

x

Der Juli wird auch Bären- und Honigmonat genannt und beides fühlt sich für mich warm und freundlich an.
Der Garten blüht üppiger denn je, Beetgrenzen werden überschritten, auf den Blättern des Frauenmantels
hört es nicht auf zu glitzern, weil die Regentropfen immer Perlennachschub liefern. Es regnet viel. Begegnungen und
Postkarten enden mit  Bemerkungen  zum verregneten Sommer. Aber die Wolkenbühne des Juli ist  in diesem Jahr
aufregend und atemberaubend. Im Wechselspiel  zwischen Sonne, Regen, Gewitter, den kleinen und den großen Winden entstehen
Landschaften von ungeheurer Schönheit, jagen Olgemälde und Aquarelle am Himmel dahin , Pinselstriche wie auf japanischem
Papier wechseln mit  Fetzen einer tibetischen  Gebetsfahne. Ich kann mich manchmal nicht mehr vom Blick
auf den Himmel lösen. Dauerregen in Grau bringt dann Ruhe ins Auge. Gibt es einen richtigen Juli? Oder nur den,
den wir sehen?

Oft verengen wir schon bei der kleinsten auftauchenden Klippe unsere Sicht ( Der XIV. Dalai Lama)

x

Der Juni kündet von der Mitte des Jahres und schon leitet der Himmel die Wende ein: mit der Tag- und Nachtgleiche am 21. Juni werden die Tage kürzer, die Nachtigallen, Grasmücken, Finkenvögel schmettern am Morgen schon  leiser, selbst die Amsel hält sich an die Regel. Aber der Rosenmonat blüht uns ins Gemüt. Blätter, Gräser und Blumen aller Art springen in unsere Augen und Regentropfen bilden Glasperlen auf den Blättern. Am liebsten möchten wir viele Bilder des Juni, die Länge der Tage festhalten, aber er wendet sich schon der nächsten Zeit zu, will die Nächte länger machen, die ersten Blumen verblühen lassen und neugierig machen auf das, was kommt.

Greifen und Festhalten
kann ich seit der Geburt.

Teilen und Schenken
musste ich lernen.

Jetzt übe ich
das Loslassen

(Kyrilla Spieker)

x

Mai, das ist helles, zärtliches Grün überall, sattes Geld des Löwenzahns und Tulpen in vielen Farben, aufrecht und stolz in Vorgärten. Die  roten Tulpen in meinem Garten lehren mich, was Vollendung ist. Sie holen alles aus sich heraus, biegen sich der Sonne zu und wenn sie in der Hingabe die Grenze erreicht haben, dann sieht man, dass Vollendung etwas mit der Zerbrechlichkeit und dem Ende von etwas zu tun hat.  Der erste Mai macht aber auch ein anderes Aufwachen so notwendig wie eh und je: dass immer mehr Menschen, vor allem junge Menschen wie in Spanien, Griechenland, England, Russland  und anderswo in dieser Welt ohne Arbeit sind, dass zu viele von ihrer Erwerbsarbeit nicht leben können, das  geht uns alle an und braucht  unseren Protest und Widerstand gegen eine Entwicklung , die menschenverachtend ist. 

Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens.
Wir sollten es auch beherrschen (Wilhelm Reich)

x

Der Monat April gilt als willensstarker Monat. Er macht angeblich, was er will. Zumindest was das Wetter betrifft. Aber wie ist es mit den anderen Monaten? Machen die es anders? Führen die uns Menschen nicht auch oft an der Nase herum? Ich glaube, das Leben sagt sehr oft: April, April! Im April sind wir auf der Suche nach dem Frühling. Ich habe ihn auf meiner Reise schon zweimal gefunden. Dann war er wieder weg. So ist das offenbar auch bei vielen anderen Suchbewegungen. Tröstlich ist:

Wer nie verloren geht, kann auch nicht gefunden werden.
(angelehnt an die ZenGeschichte vom Wasserbüffel)

x

Das Schneeglöckchen gehört zu meinen Lieblingsblumen. Märzbecher auch. Auf brüchigem, noch kaltem Boden fängt das Aufwachen im März an. Überall spürt man den Übergang. Vergehen und Werden geben sich die Hand. Was will in der Seele loslegen, was macht sich geistig auf die Socken?

In jedem Winter steckt ein zitternder Frühling, und hinter jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen. (Khalil Gibran)

x

Der Februar hat es in sich. ‚Feber` wird er im Schwäbischen genannt. ‚Hornung’, weil der reife Rothirsch in diesem Monat sein Gehörn abwirft und beginnt, ein neues Geweih zu schieben. Die Gärtner sprechen vom ‚Taumonat’, andere vom ‚Narrenmond’ und der Hoffnung, die Dämonen des Winters mit Pauken, Trompeten, Trommeln, Fastnacht und anderen Feiern zu vertreiben. „ Wenn im Feber die Mücken geigen, müssen sie im Märzen schweigen“. Was der Rothirsch und die Mücken in diesen Tagen tun, weiß ich nicht, aber die „bittere Kälte“ und der blaue Himmel mit Sonne sind einfach wunderbar, und:  „Ist`s im Februar zu warm, friert man zu Ostern bis in den Darm.“ ( Sprichwort)

Unser Wille ist nur der Wind, der uns drängt und dreht; weil wir selber die Sehnsucht sind, die in Blüten steht.“ ( Rainer Maria Rilke, Die frühen Gedichte)

x

Der Monat Januar ist fuer so vieles ein Anfang. Jahresabschlüsse der unterschiedlichen Art warten auf uns! Manche dieser Abschluesse sind hoechst schwierig, denn anders als die Stromkosten fuer das letzte Jahr kann man die Energie fuer das Leben, das hinter uns liegt und das andere, das vor uns liegt, nicht berechnen. Verlangt scheint Entschiedenheit, sich dem zu stellen, was kommt,ohne zu wissen, was es sein wird, wie leicht oder schwer die Dinge sein werden. Dazu habe ich folgenden Text gefunden.

Der Berg der Entschiedenheit
" Wie lange bist du schon Moench?" wollte ich wissen.
" Ein richtiger Moench? Noch nicht lange.
Ich habe allein fuenfzig Jahre gebraucht, um den Berg der Entschiedenheit zu besteigen."
" Sollte man zuerst sehen und dann entscheiden?"
" Wenn ich dir einen Rat geben darf," sagte er- " vergiss die Fragen, und nimm den Berg unter die Füße."
( Theophan der Moench)

x

Der Dezember steckt voller Ankunft, Verheißung und hat schon das Ende des Jahres im Gepäck. Die vielen Lichter. Ich mag sie. Adventssonntage. Die mag ich auch. Man kann Wichtel sein und Menschen mit Freundlichkeiten überraschen. Und dann die heilige Nacht mit dem Stern von Bethlehem. Eine wunderbare Erzählung. Und wenn es dann noch schneien würde? Und wenn es dann noch Frieden gäbe? Und wenn dann noch drei weise Kinder, Frauen oder Männer kämen und uns an die Hand nähmen im Irrsinn der Zeit? Kaum zu hoffen, aber ein wenig zu wagen wäre gut!

Seinen Ort finden
In den Tag gehen
den Dingen nicht ausweichen
jedes an seinem Ort
zahlreich sind die Orte
es heißt-
seinen Ort finden.
(Rose Ausländer)

x

Lila Astern, letzte Rosen, rote, bunte  und gelbe Kürbisse, sich färbende Laubbäume, Vogelbeeren, Herbstsonne, Himmel mit weißen, grauen und fast schwarzen Wolken, das ist für mich der Reichtum und die Farbenpracht des Oktober. Erntedankfest. Ein geschmückter Altar, eine Ährenkrone, Apfelmost und Kartoffeln zeigen, was „Mutter Erde“ in ihren Taschen hat und großzügig hergibt. Statt wegwerfen, lieber verschenken- statt Gleichgültigkeit Dankbarkeit. „Taste the waste“- der Film geht unter die Haut.

Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand;
der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
(Matthias Claudius, 1740-1815)

x

Der Monat September hat sich mit Regen und herbstlichen Winden schon in den August eingebracht. Das Frühjahr hat von heute betrachtet dem  Sommer die Show gestohlen und ob der Herbst  „golden“ und reich an Ernte wird, müssen wir abwarten. Das Jahr braucht sie alle: die Sonne, den Regen, den Wind, früher oder später, keine Jahreszeit ist nur durch sich die Krönung!

„Kein Strom ist durch sich selber groß und reich: sondern dass er so viele Nebenflüsse aufnimmt und fortführt, das macht ihn dazu. So steht es auch mit allen Größen des Geistes. ( Friedrich Nietzsche)

x

Juni ist der Monat der Sommersonnenwende. Wir haben die Mitte des Jahres erreicht, was immer das für uns persönlich bedeutet. Zwischen Frühling und Herbst warten wir auf das, was sich zu ernten bereit macht. Ich liebe diese Übergänge und verliebe mich immer wieder in die erste Blumenpracht, vor allem den Rhododendron Busch vor meiner Tür.

Also: man kann sich in jedem Alter verlieben. Nicht unbedingt in eine Person, es kann eine neue Zivilisation sein oder sonst irgendetwas. Wichtig ist: sich zu verlieben. ( Niki Saint de Phalles)

x

Der März setzt die Zeichen für die Übergang in eine neue Jahreszeit, Wenn der Boden noch hart ist, braucht das Neue viel Kraft für den Durchbruch, aber wir sehen, wie der politische Boden im Norden Afrikas bebt. Wie das kleine Schneeglöckchen oder die gelbe Narzisse kämpfen sich Freiheit und Würde durch die Gewalt und mein Herz hofft, dass der Aufbruch gelingt und sie blühen mögen.

Das Prinzip des Respekts gegenüber den Mitmenschen basiert darauf, dass man den anderen gegenüber keinerlei Absichten hegt, nicht mit ihnen konkurrieren möchte und nicht darauf aus ist, Eindruck zu schinden. ( Meister Okakura Kakuzo, Das Buch vom Tee, Japan)

x

Ein Monat des Aufruhrs im Norden Afrikas. Die "alten" Geister vertreiben, auch die bösen, das war auf andere Weise immer  mit dem Februar verbunden.
Was für ein politischer Aschermittwoch. Ich zittere mit den jungen Menschen, die ihre Armut und Unterdrückung nicht mehr hinnehmen wollen, die für ihre freie Meinung den Tod wagen. Niemand weiß, wie es enden wird, aber das Teile der Völker sich friedlich erheben, bleibt eine menschliche Hoffnung. In  einem meiner Meditationsbücher fand ich für den Februar ein Zitat, das für mich eine Verbindung zwischen dem politischen Drama und der notwendigen inneren Stille schafft, die erklären hilft.

Wollte man alle Menschen veranlassen, auf die gleiche Weise zu leben und zu handeln, müsste man sie in dieselbe Form pressen und ihnen allen dasselbe Gesicht geben: heraus käme eine öde und langweilige Welt. Es wäre so, als ob man alle Tasten eines Klaviers auf denselben Ton stimmen würde. Es ist nicht nötig, die verschiedenen Töne des Klaviers zu ändern; notwendig ist  hingegen, mehr von den Gesetzen der Harmonie zu verstehen und zu wissen, wie zwischen den verschiedenen Tönen ein harmonischer Zusammenklang erzeugt werden kann. (Hazrat Inayat Khan)

x

Der Januar hat seinen Namen dem römischen Gott Janus zu verdanken, der laut Sage zwei Gesichter hat. Auch der Sylvesterabend  hat zwei Gesichter, zwei Blickrichtungen. Für einen Augenblick tritt das vergangene Jahr noch einmal vor unsere Augen, mit seinen erfüllten und unerfüllten Wünschen, mit dem, was gelungen ist und dem anderen, was  mißlungen, vergessen, vertrödelt wurde. Der andere Blick richtet sich auf das das neue Jahr, auf das Unbekannte, auf das, was wir erhoffen, bewerkstelligen wollen. Wohin wir auch schauen, welchen guten Vorsatz wir auch haben, der Blick trifft immer wieder uns: wir sind es, die gemeint sind, die Zeitzeugen der Lebensjahre, der Jahre unseres Lebens.

Mit jedem Menschen ist etwas Nues in die Welt gesetzt, was es noch nicht gegeben hat, etwas Erstes und Einziges. ( Martin Buber)

x


Der Dezember hat mit Frost und weißen Ästen angedeutet, dass er zeigen wird, was in ihm steckt. Dieser letzte Monat des Jahres  leuchtet aus allen Poren und gleichzeitig fällt uns auf, wie viele Menschen im Dunkeln sind. Warten auf das Licht des neuen Morgen, ist die spirituelle Botschaft.
Und das heißt wesentlich: bring Dein Licht irgendwohin, wo es heute dringend gebraucht wird.
Denke, fühle und tue etwas, was Dir nicht unbedingt ähnlich ist, schalte dich
in den Wandel  der Welt ein, der deiner Meinung nach geschehen soll.


Liebe ist die Fähigkeit, Ähnliches an Unähnlichem wahrzunehmen ( Theodor W. Adorno)

Der Herbst zeigt mit Licht und Farbe den Prozess des Vergehens,
Der Herbst zeigt mit Licht und Farbe den Prozess des Vergehens, den Wechsel nicht nur der Jahreszeiten, das ewige Geschehen von Stirb und Werde.
Oktober und November  künden vom Ende des Jahres, spielen mit unseren Stimmungen, bereiten uns auf die inneren Räume vor. Eine Zeit, um den Film " Das Ende ist mein Anfang" zu sehen. Glauben heißt, durch den Horizont blicken wie durch die sich lichtende Krone einer Birke im Herbst!

"Etwas schön finden heißt ja wahrscheinlich vor allem: Es finden. ( Robert Musil)


Die Kürbisse leuchten den September ein und Ernten füllen die Körbe auf unseren Märkten. Im gleichen Augenblick schauen wir fassungslos nach Pakistan, wo Wassermassen ein ganzes Land und ihre Menschen in unfassbare Not bringen oder nach Chile, wo eingeschlossene Bergleute über Monate auf  das Tageslicht des Lebens hoffen müssen.

Glaube ist der Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist  ( Rabindranath Tagore)

Die ersten Tage des August waren für mich  der Abschluss einer großen Reise mit vielen Erinnerungen an Krisen und Wandlungen in meinem Leben.
In dem kleinen Ort " Woodstock" in der Nähe von New York habe ich noch einmal den" musikalischenGeist"  und die Aufbruchsstimmung spüren können,die meine Generation in den 60 iger Jahren geleitet hat und die mich  trotz aller Irrtümer und Widersprüchen noch immer bewegt. "Peace" and "Love" waren die Worte, die nichts an Bedeutung verloren haben.

  
When the power of love overcomes the love of power the world will know peace ( Jimi Hendrix)



Der Juli hat überrascht, bezaubert und deutlich gemacht, dass der Sommer als Jahreszeit  immer noch da ist und manche h
eiße Idee im Gepäck hat:

Es gibt keine Leute, die nichts erleben, es gibt nur Leute, die nichts davon merken. (Curt Goetz)

Der Monat Juni kann nichts dafür, dass die notwendigen Sparmaßnahmen in diesem Land vor allem die ärmeren Menschen treffen. Wir werden alle viel tun müssen, dass die Schönheit des beginnenden Sommers, die Blütenpracht in den Gärten auch noch Raum in den Seelen der Menschen findet.

Leicht zu leben, ohne Leichtsinn, heiter zu sein ohne Ausgelassenheit, Mut zu haben ohne Übermut, Vertrauen und freudige Ergebung zeigen, ohne Fatalismus- das ist die Kunst des Lebens. ( Theodor Fontane )

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus…“  und das Leben zeigt sich mit einer Zartheit, Kraft und Schönheit, die zutiefst anrührt und uns fühlen lässt mit allem was lebt

Mit- Leiden bedeutet, Leidenschaft für alle Dinge zu haben, nicht nur die Leidenschaft zwischen zwei Menschen, sondern für die ganze Menschheit, für alle Wesen auf der Erde, Tiefe, Bäume, alles, was die Erde trägt - Mitgefühl bedeutet Leidenschaft für alle, ( Krishnamurti, Vollkommene Freiheit ).

Der Monat April macht ja angeblich, was er will. Andere sagen, der April kommt wie ein Tiger und geht als Lamm. Auf jeden Fall liegt was in der Luft, wenn der Frühling kommt. Veränderung ist zu spüren, zu hören, zu sehen und zu riechen.Aufbruch ist verlangt.

Es ist keine Schande, grenzenlos zu hoffen (Dietrich Bonhoeffer)

Zarter Kampf  ist angesagt, wenn der März mit Schneeglöckchen die Botschaft des Frühlings durch die braune Erde schickt, und andächtige Stille ist gefragt, wenn sich in den verblassenden Spuren des Winters die erste Blüte zeigt. Kinder wissen das.

Die Stille ist wie ein Schmetterling,
der fliegt
und wird immer langsamer
und plötzlich setzt er sich
auf einen dünnen Ast
und wird ganz ruhig und still.
(Magdalena, 9 Jahre)

Die Stille ist das Brüllen der Löwen,
wenn sie schlafen.
(Bastian, 9 Jahre)

Die Stille ist wie ein Raum
voller Geheimnisse
(Christine, 9 Jahre)

Der Februar hat das Winterspiel des Januars fortgesetzt und ebenfalls  gezeigt, was er kann. Die Welt mit viel Schnee bedecken, Regen in Eis verwandeln, Kinder weiter  auf die Straße locken und kleine Berge auf Spielplätzen zur Bühne für Rutschakrobaten und jubelnde Schreihälse machen.


„Nein, diese Welt ist kein Scherz, nicht bloß ein Tal der Prüfungen und des Übergangs in eine bessere ewige Welt, sie ist eine der ewigen Welten, schön und freudvoll, und wir können nicht nur, nein, wir müssen sie noch schöner und noch freudvoller machen für die, welche mit uns leben, und für jene, die nach uns darin leben.“ (Leo N.Tolstoi, Tagebücher)

Januar 2010, der Schnee hat den Norden erobert und mit Sanftheit eine besondere Stille wie Langsamkeit erzeugt. Die Freude der Kinder übertönt den üblichen Lärmpegel.  Ein wenig von all dem könnte uns als Proviant für das ganze Jahr bleiben, wenn der Schnee schmilzt.


Wir könnten Menschen sein, denn einst waren wir schon Kinder
(Max Frisch)

Einsichten 2009

Die Erde hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier (Mahatma Gandhi)

Die einzige Freude auf der Welt ist das Anfangen. Es ist schön zu leben, weil Leben anfangen ist, immer, in jedem Augenblick Leben ist Brückenschlagen über Ströme, die vergehen. * (Gottfried Benn)

An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser. (Charlie Chaplin)

Kinder, Alte und Vagabunden lachen leicht aus vollem Herzen: sie haben nichts zu verlieren und erhoffen wenig. In der Begegnung mit ihnen erfahren wir eine köstliche Atmonsphäre der Einfachheit, des tiefen Friedens. (Matthieu Ricard in " Die Weisheit des Buddhismus Tag für Tag")

Aus dem Besitzenwollen entsteht Mangel. Aus dem Nichtanhaften entsteht Zufriedenheit (Kalu Rinpoche ( 1904-1989), lebte 25 Jahre als Einsiedler in den Bergen Osttibets, später spiritueller Meisterlehrer des Buddhismus)

" Mensch wo bist Du?" Was hinter uns liegt und was vor uns liegt, sind Winzigkeiten im Vergleich zu dem, was in uns liegt. (Oliver Wendell Holmes)

Der Habicht sieht die Maus nur deshalb, weil sie wegläuft. (Hugo Kükelhaus)

Frage nicht nach dem Warum, wenn du das Weil nicht begründen kannst! (Thomas Leiter)

"Unterwegs braucht es einen guten Gefährten, zu Haus einen guten Nachbarn"(Sprichwort aus China)

"Ein gutes Wort schafft Wärme für drei Winter" (Sprichwort aus der Mongolei)